„Er war ein Vorausgänger“ – Ein Nachruf für Julian Otchere

25. Februar 2020

„Er war der netteste und reinste Mensch, den ich je kannte.“, sagte ein Freund über ein Mal über Julian und fügte hinzu: „Er war von allen sehr geliebt.“ Julian Otchere war ein Vorzeigeathlet und hoch geschätztes Mitglied der Leichtathletik Familie.

Vor 9 Jahren, startete Julian in der Ludwigshafener Leichtathletikhalle bei seinem ersten Wettkampf in der Disziplin Stabhochsprung für die MTG Mannheim und belegte auf Anhieb mit 2 Meter 30 Zentimeter den zweiten Platz. Der Weg in den Leistungssport, wurde ihm durch zwei Menschen ermöglicht: Seine Mutter, die ihn tagein tagaus zum Training fuhr und Alexander Rupp, der ihn trainierte als er noch 13 Jahre alt war.

Was in den Jahren darauf folgte, war eine Karriere mit Höhepunkten, wie sie viele nie haben werden: Deutscher Meister-Titel, Nationaltrikot, EM-Teilnahme.

Stabhochsprung – das war seine Leidenschaft: „Zuerst zu fliegen, hoch in den Himmel zu schießen – das ist der Wahnsinn. Und dann unten auf der Matte zu sehen, dass die Latte oben liegengeblieben ist – das ist ein pures Glücksgefühl“.

Stabhochsprung ist eine Disziplin, die neben Athletik, Kraft und Schnelligkeit auch Grazie, Präzision, Mut und Geschick erfordert. Sein Trainer Alexander Rupp beschrieb Julian so: „Er bringt fast alles mit, kann gut turnen, schnell ist er auch.“

Julian war wie gemacht für diese Disziplin und arbeitete hart für seinen Erfolg. Doch trotz der harten Arbeit, hatte Julian mit seiner lebensfrohen Art die Gabe es von außen wie eine Leichtigkeit aussehen zu lassen, sich mal eben im vollen Sprint mit einem Stab aus Kunststoff in der Hand kopfüber ganze 5 Meter in die Luft katapultieren zu lassen. Er selbst beschrieb das ein Mal so:

„Der perfekte Sprung sieht so aus, dass ich anlaufe und direkt beim ersten Schritt weiß, es wird ein super Sprung – einfach ohne groß Gedanken dabei zu verlieren, wie ich den Sprung gestalte – und einfach springen kann, ohne etwas im Kopf zu haben.“

Michael Hoffmann durfte 2013 noch miterleben, wie Julian bei den Regio-Meisterschaften in Heilbronn mit 4 Meter 30 Zentimetern badischen M15 Rekord sprang. Michael Hoffmann erfüllte es mit Stolz zu verfolgen, welche Leistungen Julian und sein Trainer Alexander Rupp aus den wenigen Mitteln generieren konnten.

Einen seiner perfektesten erlebte Julian am 30. Juli 2016, als er sich in Mönchengladbach selbst zum Deutschen Jugendmeister der Stabhochspringer krönte. Ein Jahr später, empfahl er sich in seinem Mannheimer Wohnzimmer bei der Juniorengala für die U20 Europameisterschaft im italienischen Grosetto. Dort belegte er, begleitet von seiner Mutter, den 16. Platz. Seinen höchsten Sprung erlebte Julian im Jahr 2018 beim Himmelsstürmercup in Zweibrücken, als die Latte bei 5 Metern und 36 Zentimetern liegen blieb.

Mit dem Vereinswechsel zum ABC Ludwigshafen in die Trainingsgruppe von Vladimir & Lisa Ryzih, wollte Julian den berühmten „nächsten Schritt“ in seiner Karriere gehen. „Ich habe noch viele Potenziale, würde ich selbst von mir behaupten,“ sagte Julian. „Besonders technisch bin ich noch nicht ausgereift da kann ich mich noch sehr weit entwickeln. Hoffentlich geht es noch hoch hinaus.“ Mit seinem Wechsel nach Ludwigshafen fand er, was er suchte: eine neue Ansprache und neue Reize.

Doch Julian war viel mehr als nur Athlet. Die Leichtathletikhalle in Mannheim war für ihn wie ein zweites Zuhause. Im Kreise seiner sportlichen Heimat Mannheim galt Julian als Pionier. Julian war ein Vorausgänger. Als Gründungsmitglied der neu formierten Stabhochsprung-Trainingsgruppe um Alexander Rupp war Julian der erste Athlet, der dafür sorgte, dass die MTG Mannheim in Deutschland nicht nur für Sprint und Wurf, sondern auch für Stabhochsprung auf höchstem Niveau stehet. Mit großer Leidenschaft und Hingabe erfüllte Julian die Rolle als Athlet und Vorbild.

Er war auch maßgeblich daran beteiligt, dass die Trainingsgruppe weiterwuchs. Julian begeisterte nicht nur seine Schwester Jacqueline, sondern auch zahlreiche weitere junge Leichtathleten für seine Herzensdisziplin. Ihm nachfolgend formen sich eine Reihe junger Leichtathleten, um ihm auf den sportlichen Weg, den er vorausgegangen ist nachzufolgen.

Als Mensch war Julian offen, herzlich und warmherzig. Letzte Woche erzählte mir ein MTG-Mitglied der älteren Generation: „Der Julian, der hat einen immer gegrüßt! Auch wenn man sich nicht richtig kannte!“.

Die MTG Mannheim, der ABC Ludwigshafen, der ASV Eppelheim, der badische Leichtathletikverband und der Deutsche Leichtathletikverband verlieren in Julian einen überaus erfolgreichen, vorbildlichen, ausgezeichneten Athleten, ein begabtes, inspirierendes, unermüdliches Talent und einen liebenswürdigen, frohsinnigen, lebenslustigen Freund.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Like Us On Facebook

Facebook Pagelike Widget

premiumpartner

mvv

mvv

stadtmarketingmabauhauserima
erima